Dienstag, 21. November 2017

Winterhochzeit - Elin Hilderbrand

Oberflächlich, zu viel Drama und wenig Weihnachtsstimmung!


Nach "Winterglanz" und "Inselwinter" vervollständigt "Winterhochzeit" die Reihe von Elin Hilderbrand. Alle Romane verbindet die Familie Quinn, die sich in der kleinen Pension "Winter Street Inn" auf der Insel Nantucket zur Weihnachtszeit einfinden. Die Reihe erscheint im Goldmann Verlag.


Zu Weihnachten kommt die Familie Quinn hier traditionell zusammen, um gemeinsam zu feiern. Nach turbulenten Zeiten steht dieses Jahr ein ganz besonderes Fest an, denn Kevin, Sohn von Familienoberhaupt Kelley und seiner Ex-Frau Margaret, wird an Heiligabend endlich seine Freundin Isabelle heiraten. Doch ein Blizzard unbekannten Ausmaßes rückt näher. Wird die Hochzeit stattfinden können?


Das Buch wird kapitelweise aus der Sicht von verschiedenen Personen geschildert und jeder der Familie Quinn kommt zu Wort, egal, ob ehemalige Ehefrau oder neue Freunde. Das klingt interessant und birgt die Möglichkeit, jede Figur mit ihren persönlichen Wünschen,  Stimmungen und Vorstellungen näher kennen zu lernen. Das hat aber leider nicht geklappt, zu viele Sorgen, Nöte und Partnerschaftswirrungen machen mir diese Familie nicht unbedingt sympathisch. Ich hatte keine Personenprobleme durch die Menge, eher vom Inhaltlichen her sagen sie mir nicht zu.

 
Ich mag Charaktere, die normal sind, kleine Ecken und Kanten haben und nicht zu übertrieben dargestellt werden. Hier wird Wert gelegt auf das Besondere und auf das Äußere. Ein Beispiel möchte ich nicht vorenthalten: da geht Ava zu einem Bewerbungsgespräch für einen Job, sie möchte Karriere machen, dazu trägt sie ein Kleid von Diane Fürstenberg und ein paar Manolo Blahniks. Ihre Mutter hat gerade ein Interview bei Ellen DeGeneres, eine der bekanntesten Fernsehmoderatorinnen Amerikas. Alles ist sehr oberflächlich gehalten und inhaltliche Themen gehen nicht in die Tiefe. Da ist die Kleidung wichtiger.



Bei diesem Buch hatte ich auf eine schöne, weihnachtlich angehauchte Geschichte gehofft. Leider konnten mich die vielen problembeladenen und sehr oberflächlichen Personen nicht erreichen. Viel Drama, seichte amerikanische Soapfiguren und ein Schneesturm, der ein wenig für Winterchaos sorgte. Mehr war es für mich leider nicht. Ich bin schlicht und einfach enttäuscht von der Handlung und den nichtssagenden Figuren. Allen Personen haften zuviele Dramen und Leid an, Tablettensucht, Gefängnisstrafe wegen Betrugs und der verschollene Sohn im Afghanistan-Krieg. Und eine Tochter, die gleichzeitig zwei Freunde hat, sich nicht entscheiden kann und schließlich den neu hinzugekommenen Freund mit offenen Armen empfängt. Keine Daily-Soap würde ohne diese Dramen auskommen und es ist traurig, wenn sie jetzt auch schon in Büchern angelangt sind.


Wenn ein so kleines Buch mit so vielen Hauptfiguren überfrachtet wird, die reine Normalität nur drch die Erwähnung von Designer-Kleidung und Markenlabels zur Sprache kommt, Dekoration mit Stimmung verwechselt wird, dann bleibt mir nur ein Kopfschütteln übrig.

Reine Emotionen habe ich vermisst und auf einen Zugang zu den Charakteren habe ich vergeblich gehofft. Allein Margarets beruflicher Erfolg beim Fernsehen ist wohl allen zu Kopf gestiegen. Das einzige Positive was mir an dieser Familie gefallen hat, ist der Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl. So nimmt das Ende denn auch einen guten Ausgang, natürlich gerade zu Weihnachten.   




Für mich war das leider ein sehr enttäuschende Lektüre. Weniger Personen und weniger Probleme wären schön gewesen. Die aufwändige Brautparty und die Traumhochzeitsvorstellungen überspannen die Normalität und passen nicht zu den grundsätzlichen Problemen und der Heile-Welt-Haltung überein. Die Charaktere erscheinen mir unpersönlich und flach, mehr als 2 Sterne kann ich leider nicht vergeben, sonst würde ich andere Autoren mit ihren Werken nicht genügend wertschätzen. 


Es ist so schade, aber ich finde diesen Roman sehr oberflächlich und die Figuren sind mir zu überkandidelt. Weihnachtliche Stimmung kommt da nicht auf, trotz 4 Meter hoher Douglasie.

***Vielen Dank an den Verlag für dieses Leseexemplar, auch wenn es mich dieses Mal nicht zufriedenstellen konnte!***




 

Montag, 20. November 2017

Montagsfrage # 63

 

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Jeden Montag veröffentlicht Buchfresserchen eine Frage auf ihrem Blog, die man dann innerhalb von 7 Tagen beantworten kann. 

 

Besitzt du Merchandise zu bestimmten Buchreihen, z. B. Lesezeichen, Tassen, Kunstdrucke etc.? 


Wieder eine Frage, die ich ziemlich konkret mit Nein beantworten kann. 

Ich habe zwar etliche Lesezeichen, die zwar als Reklamezwecke für spezielle Bücher gedacht sind, aber wenn sie geknickt oder alt sind, schmeiße ich sie weg. Ich hänge nicht an Werbeprodukten, ganz im Gegenteil, ich lehne solche Dinge aus der Massenproduktion eher ab. Unsere Rohstoffe sind zu wertvoll, um sie für sinnfreie Artikel zu verschwenden. Besonders aus ökologischen Gründen bin ich gegen die meisten Merchandise Produkte. Ich sammele Bücher, ok, das wars dann aber auch schon. 

Wobei ich aber auch sagen muss, meine bevorzugten Genres unterliegen nicht dem Hype, den die Werbebranche effektiv vermarkten kann. Da liegen wohl Fantasy und Jugendserien eher im Fokus. Hier wird eher die breite Masse angesprochen, manches Marketing weckt mit solchen Artikeln das Interesse und zielt daraufhin ab, alles rund um eine Marke bzw. Buchtitel besitzen zu wollen, wie es bei z. B. Harry Potter der Fall ist.
 

Wie sieht es bei euch aus, seid ihr der Sammelwut verfallen oder doch eher nicht?


Sonntag, 19. November 2017

Die Frau im hellblauen Kleid - Beate Maxian

Eine mitreißende Familiengeschichte mit historischem Hintergrund sorgt für spannende Unterhaltung!


Die österreichische Autorin Beate Maxian schrieb bisher Krimis, ihr erster Roman "Die Frau im hellblauen Kleid" erschien jetzt im Heyne Verlag.
 


Wien: Vera Altmann führt als Schauspielerin die Tradition ihrer Mutter Marianne und Großmutter Käthe fort. Doch an den großen Erfolg ihrer Mutter Marianne, die einst ein gefeierter UFA Star war, kann sie nicht anknüpfen. Vera beschliesst, eine Dokumentation über ihre Familie zu drehen und befragt ihre Mutter nach Einzelheiten. Marianne ist schockiert, denn sie befürchtet, es könnten Geheimnisse ans Licht kommen, die sie bisher verbergen konnte. Schließlich willigt sie ein, wenn der Film mit der Lebensgeschichte von Großmutter Käthe Schlögel beginnt. 




Mit dieser Familiensaga hat mich Beate Maxian schnell gefesselt, der flüssig geschriebene Roman liest sich einfach wunderbar. Ihre Charaktere sind voller Leidenschaft und authentischer Strahlkraft, sodass man sich kaum vom Lesen abbringen lassen kann. Besonders die historischen Hintergründe habe ich sehr interessiert gelesen und die Schicksale der Familie Altmann lesen sich sehr lebendig. Man taucht tief in die Geschichte ein.   

Der Roman wird in zwei Handlungssträngen erzählt. Die Dynastie der Altmanns beginnt 1927 mit Käthe Schlögel und ihren ersten Anfängen am Theater und wird in der Gegenwart 2015 zur Zeit der Dokumentation durch Enkelin Vera aufgearbeitet. Die vierte Generation wird durch Sophie vertreten.   

Durch Veras Dokumentation über die Familie kommen einige Informationen ans Tageslicht, die sich mit Nazitum und Verfolgung befassen. Denn Käthe heiratet einen Juden. 
Durch Mariannes Erzählungen erfährt der Leser Details über Käthe, sieht wie die Tochter eines einfachen Gemüsehändlers vom Glanz der Theaterwelt beeindruckt ist und gegen den Willen der Eltern ans Theater geht. In Prag gelingt ihr mit "Marianne" der große Durchbruch und von dort geht sie nach Berlin und feiert große Erfolge als Star der Vorkriegszeit bis sie sich in einen Juden verliebt.

Die familiären Einblicke zeigen die deutsch-österreichische Geschichte über 80 Jahre und man taucht tief in die Handlung ein, egal, ob es sich um glamoröses Theaterleben handelt, um Rivalitäten unter Kolleginnen beim Film oder um die aufkommende Bedrohung durch die Nationalsozialisten oder die Problematik des Zweiten Weltkrieges. Beate Maxian lässt die Leser eine Zeitreise miterleben, die berührt, fesselt und ausgesprochen gut unterhält. Besonders ein Zerwürfnis zweier Familien spielt eine große Rolle.

Käthe und ihr Traum vom Theater sind der Hauptangelpunkt des Romans, ihr Leben wird sehr anschaulich und lebendig gezeigt. Dagegen wirkt Marianne eher wie ein unbeschriebenes Blatt, auch wenn sie als Mittlerin zwischen Vergangenheit und Gegenwart fungiert. Vera hat sich ihrer Mutter zu fügen, doch sie glänzt als Mutter und Regisseurin und mit Sophie konnte ich nicht warm werden. Ihre Liebesgeschichte fiel im Verhältnis zum übrigen Roman etwas aus dem Rahmen. 


Beate Maxian hat einen flüssigen und wunderbar bildhaften Schreibstil. Gespannt habe ich Kapitel um Kapitel gelesen und war besonders in der Schilderung von Käthes Leben gefangen. Sie lässt Eindrücke der Filmwelt entstehen, die man mit Schwarz-Weiß-Filmen und alten Schauspielern wie Hörbiger, Moser oder Martha Schneider verbindet.  
Aber auch in der Gegenwart unterhält die Autorin gekonnt mit einer Menge Lokalkolorit und zeigt mit Sprache und Handlungsorten Wiener Flair. 




Die Frauen dieser Familie wachsen bei der gemeinsamen Recherche, Aufarbeitung der Vergangenheit und der Verwirklichung des Films noch mehr zusammen und Beate Maxian hat mit dem Schluss ihres Buches noch ein sehr schönes Finale für sie und den Leser geschaffen. 

Dieser Roman begeistert mit einer faszinierenden Familiengeschichte mit historischem Hintergrund und Einblicken in die Welt des Theaters zur Zeit der UFA. Beate Maxian kann nicht nur Krimis, sondern auch unterhaltende Romane mit Tiefgang. 


***Herzlichen Dank an den Heyne Verlag für dieses Leseexemplar, ich hatte schöne Lesestunden mit dem Roman!*** 




 

Samstag, 18. November 2017

Neuzugänge # 66


"Weiter geht´s in der Buchhandlung der Familie Sommerlese!"  

So, oder so ähnlich begrüßen mich mein Briefträger und mein Paketbote inzwischen.

Es reißt im Moment nicht ab, täglich kommen Bücher ins Haus und ich bemühe mich, euch hier alle noch vorzustellen. Bei manchen kam ich nicht hinterher und sie sind inzwischen gelesen. 

Aus dem Aufbau Verlag erreichten mich:
 

- Manche mögen´s steil von Ellen Berg: 

Dieses Buch zeigt eine Teambuildingsmaßnahme in den Alpen, an der Kollegen einer IT-Branche teilnehmen. Die Protagonistin Vicky ist ein weiblicher Nerd, sie muss sich in der Natur erst zurecht finden und möchte nicht auf ihr Handy verzichten, doch sie muss sie dem Bergführer Joe unterordnen, er stellt die Regeln für die Klettertour auf. 
Ein unterhaltsames Buch, gerade für Bergbegeisterte und Alpinisten mit romantischer Ader geeignet. 
Hier gibt es meine Rezi: Klick
  

- Die Stunde des Wolfs von Simo Hiltunen:

Dieser Krimi spielt in Finnland. Nachdem ein Polizist seine Familie ermordet und sich schließlich selbst getötet hat, wird Lauri Kivi, ein Reporter darauf aufmerksam. Er geht der Sache auf den Grund und findet Hinweise auf den Täter. Diesen Krimi lese ich gerade, ich tue mich noch etwas schwer mit den vielen finnischen Namen, spannend ist die Lektüre allerdings sehr.  





- Die Frau im hellblauen Kleid von Beate Maxian:

Beate Maxian schrieb bisher Kriminalromane aus Wien, in diesem  Familienroman aus dem Heyne Verlag spielt Wien ebenfalls eine zentrale Rolle. Im Buch wird die bewegende Geschichte einer Schauspieler-Dynastie der Altmann-Frauen erzählt und umspannt damit 4 Generationen. Ich habe bereits angefangen zu lesen und bin mitten eingetaucht. Mir gefällt es bisher sehr gut.


- Rette mich, wer kann von Jule Maiwald:

Dieser Liebesroman aus dem Rowohlt Verlag handelt von Jette, die von ihrem Mann verlassen wurde, keinen Job und kein Zuhause mehr hat und in einem Wohnprojekt landet. Ob dieses Buch ein wenig romantisch oder doch eher humorvoll gilt abzuwarten. 
Das Cover hat mich jedenfalls schon einmal richtig verzückt. 



- Der Buchliebhaber von Charlie Lovett: 

Dieser Goldmann Roman handelt von Arthur Prescott, der an der Universität unterrichtet und seine Freizeit am liebsten in der Bibliothek der Kathedrale verbringt, deren Geschichte er recherchiert. Seine wichtigste Quelle ist eine mittelalterliche Handschrift, das ›Buch der Ewolda‹, sie gilt als verschollen. Als die junge Amerikanerin Bethany nach Barchester kommt, um die Bestände der Bibliothek zu digitalisieren fühlt sich der bibliophile Arthur gestört. Doch Bethany erobert schließlich nicht nur Arthurs Herz, sie hilft ihm auch, das Rätsel des verschwundenen Manuskripts zu lösen ...

- Winterhochzeit von Elin Hilderbrand: 

Kaminfeuer, Eisblumen und Plätzchenduft – im »Winter Street Inn« auf Nantucket hat die schönste Zeit des Jahres begonnen. An Weihnachten kommt die Familie Quinn hier traditionell zusammen, um gemeinsam zu feiern. Doch ein Blizzard bedroht mit seinen Schneemassen das Fest. 
Auch dieser Roman ist aus dem Hause Goldmann und wieder hat mich ein wunderschönes Cover angelockt. Weihnachtlicher geht ja kaum! :-)





Welche Bücher habt ihr bereits gelesen und welches wäre euer Favorit?



Freitag, 17. November 2017

Freitags-Füller # 64


Mit dem heutigen Freitag zeigt sich gerade eine erste neue Blüte bei meiner Orchidee, bisher hatte ich damit nie Glück. Umso mehr geniesse ich diese kleine Schönheit jetzt!




  

Immer wieder kommt ein neuer Freitag ... und damit der Freitagsfüller! 

 

Dies ist ein Projekt von Barbara von  Scrap-Impulse

Ein kleiner Lückentext zum Ausfüllen.

 

1. Der Geruch von Mandarinen und selbst gebackenen Keksen gehört zur Adventszeit einfach dazu.

 

2. Ich müsste eigentlich noch zu meinem halbjährlichen Zahnarztbesuch, doch die Sprechstundenhilfe sagte zu mir: Einen Termin haben wir aber bitte erst im nächsten Jahr.

 

3. Nein, wir werden nicht alles klaglos hinnehmen, was die Politiker über die Köpfe der Menschen hinweg entscheiden!

 

4. Für mein gutes Leben und meine Familie und Freunde an meiner Seite, dafür bin ich dankbar.

 

5. Gestern wollten wir mit Freunden ausgehen, leider ist die Freundin krank geworden und ihr Mann kam alleine, um uns zu zeigen, wie lieb sie uns haben. Das ist doch mal eine total schöne Ansage!

 

6. Wie sich manche Leute ihr Äußeres hinoperieren lassen, ist meiner Meinung nach richtig lächerlich. Wer braucht schon Bratwurstlippen und Gesichter, die nicht vom gelebten Leben erzählen?

 

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf eine weitere Chorprobe mit Weihnachtslieder und Gospels, morgen habe ich einen normalen Samstag mit Einkauf und Besorgungen für Adventskalender geplant und Sonntag steht der nächste Chorauftritt von Vocal Club bei einem Gospelgottesdienst an.  

 

Und was macht ihr so?   

 

Donnerstag, 16. November 2017

Manche mögen's steil - Ellen Berg

Etwas Romantik, etwas Bergsteigererlebnis und ein vorhersehbares Ende konnten mich dieses Mal nicht völlig überzeugen.

 

Der Roman "Manche mögen's steil" von Ellen Berg erscheint im November 2017 im Aufbau Verlag.


Viktoria Elsässer, ist 32 und als Teamleiterin echter Workaholic in der IT-Branche. Die Karriere geht ihr über alles, deshalb hat sie kaum ein Privatleben. Sie ist ein weiblicher Nerd und kann ohne Handy nicht sein. Doch dann wird sie mit ihren männlichen Kollegen zu einer Teambuildingsmaßnahme in die Alpen geschickt und muss sich als Großstadtpflanze dort beweisen. Jetzt sind echte Führungsqualitäten gefragt. Wird Vicky ihre Aufgabe meistern? Auf jeden Fall wird sie von zwei Männern umworben und muss sich auch noch Gedanken über die Liebe machen.




In diesem Roman geht es um Gruppenerfahrung am Berg, Kletterromantik und auch um Gefühle.

Ellen Berg stellt mit ihrem weiblichen Nerd Vicky eine spröde, widerspenstige Figur in den Mittelpunkt. Wir erleben das harte Berufsleben dieser Frau in einer Männerdomäne mit, erkennen, wieviel Wert auf soziale Kompetenz und Führungsstil gelegt wird und begleiten Vicky auf ihrer Gipfeltour in die Alpen. Dort wird sich der Karrieresprung entscheiden. 
Vicky fühlt sich außerhalb der digitalen Welt nicht so recht wohl, geschweige denn in den Bergen, in der Natur, ohne ihr geliebtes Handy. Am liebsten würde Vicky bei der Tour kneifen, aber für die Karriere tut sie so einiges, sie beißt sich durch und plötzlich interessiert sich sogar der gelackte Konstantin für sie.
   
Schon beim Kauf von bergfähiger Kleidung in einem Outdoor-Fachgeschäft weiß man als Leser, dass man hier noch einigen Spaß mit dieser Großstadtpflanze in den Bergen haben wird.
Nun ist Vicky nicht gerade eine Sportskanone und hat Null Bergerfahrung. Aber sie hat Biss! Das  bewundern bald auch ihre Kollegen und Bergführer Joe. Für Joe hagelt es von Vicky regelmäßig spitze Bemerkungen, doch der reagiert ganz gelassen darauf. Ist hier schon Gefühl im Spiel? 

Ellen Berg bleibt sich mit ihrer Schreibweise treu. Sie inszeniert rund um Vickys Karriere und ihr bescheidenes Privatleben einige Erlebnisse und Probleme. Man taucht ein in das stressige Arbeitsleben, sieht, wie sich Vicky in einer Männerdomäne behaupten muss und lässt ein Teamplayer-Erlebnis der Fima stattfinden. Dort geht es ans Eingemachte, niemand hat echte Erfahrung beim Bezwingen von Gipfeln und es gibt brenzlige Situationen, die gefährlich enden können. Man ist plötzlich mit am Berg und sieht die Schwierigkeiten beim Bergsteigen und Klettern, den nötigen Teamgeist, der zum Bezwingen nötig ist.
Auch Vicky scheint an diesem Abenteuer zu wachsen. Sie erlebt das Glücksgefühl, den Berg bezwungen zu haben und einen Höhenkoller, der ihr zu schaffen macht.  
 
Auch wenn ich nichts wirklich Negatives beanstanden kann, bin ich von diesem Roman nicht ganz so begeistert. Er fängt von der Idee her ganz zeitgemäß an, indem er mit Vicky eine Person zeigt, die sich in ihrer Arbeit vergräbt, ohne Handy nicht sein kann und soziale Kontakte nur auf Facebook pflegt. Das Buch liest sich auch gewohnt unterhaltsam an, aber die Liebesgeschichte wird von vielen Nebensächlichkeiten in die Länge gezogen. 

  Ellen Berg glänzt wieder auch hier mit ihrem lockeren und leichten Schreibstil und einer kurzweiligen Story, die sich dieses Mal in schwindelnde Höhen wagt.
Romantische Stellen hätte es mehr geben können, das Ende ist vorhersehbar, die Wandererlebnisse unterhalten, aber mehr leider auch nicht. Ein Buch, bei dem sich Bergfreunde und Gipfelstürmer vielleicht besser mitreißen lassen. Mir hat die humorvolle Art der bisherigen Romane von Ellen Berg gefehlt.  


Ein sehr unterhaltsamer Roman, der besonders Lesern gefallen wird, die Bergtouren mögen und sich für Einblicke in menschliche Charaktere interessieren. Ein wenig Liebe ist auch im Spiel. 

***Herzlichen Dank an Frau Seiler vom Aufbau Verlag für die Zusendung dieses Reziexemplares!***





Weitere Romane von Ellen Berg: 

"Alles Tofu, oder was?" -  Rezi klick

Montag, 13. November 2017

Leere Herzen - Juli Zeh

Ein erschreckende Zukunftsvision wird hier interessant erzählt.


Der Roman "Leere Herzen" von Juli Zeh erscheint im Herbst 2017 im Luchterhand Literaturverlag.

Deutschland, 2025. Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak betreiben offiziell eine Heilpraxis für Suizidgefährdete, die "Brücke". Bei ihrer Betreuung ist nicht die Heilung das erklärte Ziel von Britta und Babak, sie wittern hier das große Geld. Das funktioniert solange gut, bis Konkurrenz auftaucht und Britta und Babak plötzlich in Gefahr sind. 


 


Die Autorin zeigt ein düsteres Bild einer Zukunftsvision von Deutschland und setzt ihre Protagonistin Britta in den Mittelpunkt. Britta ist desillusioniert, hat eine kleine Familie, ein Eigenheim und betreibt eine Praxis für Psychotherapie. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Babak eröffnet Britta eine Heilpraxis für Suizidprävention, die Brücke. Dort betreuen sie suizidgefährdete Personen und vermitteln sie an Organisationen wir Green Peace oder Daesh für medienwirksame Selbstmordattentate.
Die politische Lage in Deutschland ist folgende: Angela Merkel musste ihren Posten für Regula Freyer von der BBB (Besorgte BürgerBewegung) räumen, die die Freiheiten der Bürger immer weiter einschränkt. Die Bürger werden politikverdrossen. 


Dieses Buch zeigt ein Gedankenspiel, eine politische und gesellschaftliche Annahme, die sich gegen die bestehende Ordnung auflehnt. Es geht um Gefühlslosigkeit, Gleichgültigkeit und Geschäftemacherei. Hier wird mit bestehender Politik und Gesellschaftsansichten abgerechnet, es werden Entwicklungen aufgezeigt, die mit Gewalt und Terror regelrecht spielen. Wird unsere Zukunft so aussehen? Werden wir die Gefahr, die sich in der Gesellschaft anbahnen könnte, beherrschen und abwenden können? Dieser Roman macht nachdenklich, verwirrt aber auch mit der scheinbaren Gleichgültigkeit der Protagonistin, die ihren Profit aus der Absicht von Selbstmördern zieht.
Das Buch ist großartig geschrieben, es gibt Denkanstösse und hinterfragt unsere bestehende Situation von Politik und Gesellschaft.

Der Roman entwickelt sich von bloßer Unterhaltung weiter über Gesellschaftskritik zu einem echten Spannungsroman. Brittas Leben, ihre Gefühle, Sorgen und Ängste bekommt man durch innere Monologe hautnah serviert. Von anfänglicher besorgender Zukunftsvision geht es über in einen politisch gefärbten Thriller. Es scheint eine Mahnung zu sein, sich nicht gedankenlos weiter in unserem Gesellschaftsleben treiben zu lassen. Die Gefahr von Machtübernahme und Bedrohung besteht immer.

Mir hat gut gefallen, wie differenziert die wenigen Figuren dargestellt werden. Man kann sich von ihnen ein Bild machen und erkennt das Potential der jeweiligen Charaktere. Manche sind nicht nur für sich selbst eine Gefahr. Sie sind Empty Hearts.


Dieses Buch zielt ab auf eine Zukunfts-Vision. Wer gern zukunftsträchtige Literatur liest und sich mit Politik beschäftigt, für den ist dieser Roman genau richtig.


***Dieses Buch habe ich als Prämienbuch über Vorablesen vom Luchterhand Verlag bekommen, herzlichen Dank dafür!***