Samstag, 20. Januar 2018

Die schwarze Dame - Andreas Gruber

Düster, überraschend und toll geschrieben


Der Thriller "Die schwarze Dame" erschien bereits 2006 im Festa Verlag. Andreas Grubers Buch erschien im Dezember 2017 als Neuauflage im Goldmann Verlag.

Der Wiener Privatermittler Peter Hogart wird nach Prag geschickt, um eine spurlos versschwundene Kollegin zu suchen. Hogart sticht mit seiner Suche in ein Wespennest und hat es schnell mit der Mafia und ihren Schlägern zu tun, aber auch die Prager Polizei bringt er gegen sich auf. 
Nur die junge Privatdetektivin Ivona Markovic, die gerade eine Reihe bizarrer Verstümmelungsmorde untersucht, scheint auf Hogarts Seite zu stehen. Beide überleben einen brutalen Anschlag und es wird klar, das hier eine Verbindung zwischen den Fällen vorhanden sein muss. Die Zeit läuft ihnen davon, der nächste Mord kann jederzeit passieren.  

 
Dieser Thrillerauftakt hat mir fesselnde Lesezeit geschenkt. Andreas Gruber schreibt nicht nur toll, er bringt auch inhaltlich einige Überraschungen in der Handlung unter, die man so nicht erwartet und deswegen gespannt weiter liest. 
 
Hogart landet für eine Versicherung in Prag. Was anfangs noch in die Kunstszene führt und als Versicherungsbetrug beginnt, läuft später auf eine gefährliche Suche nach einem Serienkiller hinaus. Dadurch verschiebt sich die relativ ungefährliche Ermittlung auf eine völlig andere Schiene. Es geht hinein in die kriminellen Strukturen der Mafia, Greco und seine Schläger machen Hogart das Leben schwer und sind ihm immer auf den Fersen. 
Gemeinsam mit der Privatdetektivin Ivona Markovic entdeckt Hogart die Parallelen zwischen seiner Vermisstensache und den zerstümmelten Leichen. Ivonas guten Kontakten ist es zu verdanken, dass Hogart gute Starthilfe und auch Schutz geniesst. Die geköpften Mordopfer sorgen in Prag für Angst und Schrecken.
Die Story fängt recht gemächlich an und steigert sich allmählich zu einem fesselnden und komplexen Fall.

Hogart ist ein mutiger und intelligenter Typ, der mit Ivona eine passende Ermittlungs-Partnerin an seiner Seite hat. Beide wirken authentisch und man erlebt mit ihnen ihre schockierenden Erlebnisse aufgeregt mit. 
Ich habe mich mehrfach gefragt, wie die Morde mit den verschwundenen Gemälden zusammenhängen könnten. Nach und nach kommen immer mehr Details zum Vorschein, die man nicht erwartet, die aber den Fall klarer werden lassen. Die Hintergrundgeschichte des Mörders hat es ebenfalls in sich. Einige gefährliche Szenen und die grausamen Mordopfer lassen die Spannung anwachsen und ein toller Showdown schliesst das Buch ohne offene Fragen ab. 
 
Lediglich die Nebenfiguren fallen hier etwas blass aus, da hätte ich mir noch mehr Ausarbeitung gewünscht.
 

Auch wenn der Schreibstil für einen Thriller etwas zu ausführlich gerät, gefällt mir die düstere, atmosphärisch genaue Beschreibung von Andreas Gruber recht gut. Hier sieht man die erwähnten Schauplätze in Prag bildhaft genau vor Augen und kann die unterschiedlichen dunklen Stimmungen wunderbar nachvollziehen. Sogar geschichtliche Dinge finden hier eine gelungene Einbindung in die Handlung, was dem Buch allerdings auch eher einen romanhaften Zug verleiht. Als waschechten Thriller würde ich das Buch nun nicht bezeichnen, was aber der Spannung keinen Abbruch tut.

Mir hat dieser Auftakt mit den Prager Ansichten gut gefallen, die Reihe werde ich gern weiter verfolgen. Für Andreas Gruber Fans ist dieses Buch ein Muss und wer gern Spannungsliteratur aus Prag liest, sollte sich das Buch nicht entgehen lassen. 


Der nächste Teil der Peter Hogart Reihe erscheint im April im Goldmann Verlag und heißt "Die Engelsmühle".  


***Herzlichen Dank an den Goldmann Verlag und an das Bloggerportal, die mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben!***






Freitag, 19. Januar 2018

Freitags-Füller # 73


Der Januar hat gleich den ersten großen Sturm über das Land sausen lassen. Mit vielen Verkehrsproblemen und den Folgen von herabstürzenden Ästen und umgefallenen Bäumen geht es also auch im neuen Jahr weiter. Da kann man noch froh sein, wenn es keinen menschlichen Opfer gibt. 

    

 

Immer wieder kommt ein neuer Freitag ... und damit der Freitagsfüller! 

 

Dies ist ein Projekt von Barbara von  Scrap-Impulse

Ein kleiner Lückentext zum Ausfüllen.

 

1. Ich glaube, heute geht es ans Aufräumen der vielen Sturmschäden und die Versicherungen und Feuerwehrleute werden viel zu tun haben.

 

2. Scampis und Lammkoteletts mag ich richtig gern und die esse ich am liebsten mit den Fingern.

 

3. Das Dschungelcamp bei RTL interessiert mich nicht die Bohne, es kommt gleich mit dem berühmten Sack Reis in China. Schade um die kostbare Sendezeit!

 

4. Eine gesunde Portion Optimismus sollte man sich bewahren, das hilft  sogar in schlechten Zeiten.

 

5. Was Kaffee angeht so trinke ich meine 1-2 Tassen am Morgen, ansonsten trinke ich viel Tee und ganz selten mal einen Espresso.

 

6. Viele Leute sind zur Zeit schlecht drauf, missmutig, ernst oder melancholisch, das muss am Wetter liegen.

 
7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf meine Lektüre: Die Blumenschwestern von Cathy Hopkins, morgen habe ich den Wocheneinkauf und ansonsten noch gar nichts geplant und Sonntag möchte ich mal wieder Lasagne machen.



Und was macht ihr so am Wochenende? 

 


Donnerstag, 18. Januar 2018

Top Ten Thursday # 44



                       


Donnerstag ist TTT Top Ten Thursday bei Weltenwanderer.  Worum geht es beim TTT? Es geht um Listen, eigentlich um Bücherlisten und jeden Donnerstag gibt es eine neue Aufgabe/Frage bei der man seine persönliche Top Ten zusammenstellen kann.

 
Das aktuelle Thema lautet heute:

Zeige deine 10 liebsten Einzelbände

Das ist ja schon eine Best-ever-Liste! Davon gibt es auf meinem Blog nicht von jedem Buch eine Rezension, ich werde wohl noch einige nachfügen müssen. Es sind auf jeden Fall die Bücher, bei denen ich entweder die Eindrücke und Stimmungen sehr genossen oder aber sehr erstaunt und überrascht war. Jedes dieser Bücher war etwas ganz besonderes für mich. 



Der Pfau - Isabel Bogdan: Rezi 

Still - Chronik eines Mörders - Thomas Raab: Rezi nicht auf dem Blog

Altes Land - Dörte Hansen: Rezi  

Die Unsichtbaren - Roy Jacobsen: Rezi

Die Prinzessin von Arborio - Bettina Balaka: Rezi

Die chinesische Sängerin - Jamie Ford: Rezi nicht auf dem Blog

Wohin der Wind uns weht - João Ricardo Pedro: Rezi nicht a.d. Blog

Das letzte Nashorn - Lodewijk van Oord: Rezi 

EIS - Ulla-Lena Lundberg: Rezi 

Der Geschmack der Sehnsucht - Kim Thúy: Rezi nicht a.d. Blog

 

 

Nun bin ich auf eure Listen gespannt!


Mittwoch, 17. Januar 2018

Irgendwo im Glück - Anna McPartlin

Ein Buch voller Tragik, Verzweiflung und Liebe und doch konnte es mich nicht vollends packen.


"Irgendwo im Glück" ist ein weiterer Roman der irischen Autorin Anna McPartlin, der 2016 im Rowohlt Verlag herausgegeben wurde.

Dublin 1995: Maisie Bean lebt mit ihrer Familie in der irischen Hauptstadt. Sie ist eine Frau, die in ihrer Ehe die Hölle erlebt hat und viel Gewalt erleiden musste. Aus dieser Ehe hat sie ihre zwei wunderbaren Kinder Jeremy und Valerie. Gemeinsam mit ihren Kindern pflegt sie zu Hause ihre demente Mutter und Maisie hält die Familie mit zwei Jobs finanziell über Wasser. Sie haben sich trotz der Probleme gut arrangiert.
Als sich Maisie nach langer Zeit endlich wieder verliebt, verschwindet ihr Sohn. 



"Ein neuer Roman voller Humor, Liebe, Traurigkeit und Hoffnung." 

Mit diesen Worten wird der Roman allerorten angekündigt. Nachdem ich "Die letzten Tage von Rabbit Hayes" gelesen und es zu meinen Lieblingsbüchern erklärt habe, wollte ich mal wieder etwas von der Autorin lesen. 
Ich habe mir erneut eine berührende und eindringliche Geschichte erhofft, musste aber leider einige Abstriche machen.   

Es fängt schon beim Schreibstil an: mit recht einfachen Worten und einigen Kraftausdrücken wird die Geschichte dargestellt, das wirkt zwar authentisch und passt zu den Charakteren, mich hat es aber dennoch gestört. Außerdem wird viel Nebensächliches abgehandelt, was den Lesefluss und die Spannung behindert. Die schönen emotionalen Szenen und humorvollen Bemerkungen gehen in der Masse der Belanglosigkeiten regelrecht unter.

Vom Aufbau her ist das Buch schon besonders, nach einem aufklärenden Prolog über Maisie erfährt man, wie sie ihre Erlebnisse in einem Buch verarbeitet. Der restliche Roman wird anhand von Rückblenden aus verschiedenen Figur-Perspektiven dargestellt. Familie und Freunde kommen hier zu Wort und geben den Blick frei auf die Familie und speziell auf Jeremys Leben und seine Nöte. Allerdings in allen Einzelheiten, die einfach zuviel des Guten sind.

Ich habe mit Maisie mitgelitten und den Umgang mit der dementen Großmutter interessiert beobachtet und das Rätsel um Jeremys Verschwinden hat mich sehr beschäftigt, aber die vielen Rückblenden haben mir jegliche Spannung genommen.

Alle Charaktere sind problembeladen, auch wenn Maisie als starke Persönlichkeit aus der Masse sticht, so wirken die Sorgen auf mich sehr erdrüecknd. Ich konnte zu den Figuren auch keine große Verbindung aufbauen. Auch vom Leben in Dublin hätte ich gern mehr erfahren, die Handlungsorte und das spezielle Milieu werden nur durch besondere Ansichten ein wenig sichtbar. Und gerade hier hatte ich mir mehr erhofft, denn gerade in Irland gibt es noch Nachholbedarf in Sachen tolerantem Umgang mit Sexualität. 

Aus diesem Buch ziehe ich das Resümee, nicht aufzugeben, egal was kommt. Man sollte sein Leben so leben dürfen, dass man glücklich ist, egal was andere sagen.
 


Dieser Roman ist tragisch und bringt den Leser dazu, sich über Vorurteile Gedanken zu machen. Ich hatte mir allerdings mehr davon erhofft.  





Dienstag, 16. Januar 2018

Erinnerte Tage - Herman van Veen

Herman blickt zurück: nachdenklich-heiter und immer mit einem klaren Blick auf die wichtigen Dinge im Leben!


"Erinnerte Tage" ist ein Buch mit autobiografischem Inhalt vom Künstler Herman van Veen. Das Buch erscheint im Knaur Verlag.

Herman van Veen ist der populärste niederländische Musiker und Liedermacher, seit 50 Jahren ist er auch auf deutschen Bühnen unterwegs. Seine Lieder hat er stets auch auf Deutsch verfasst.


In diesem Buch lässt uns der Künstler Herman van Veen rückblickend in sein Leben schauen. Man erhält in Annekdoten, Briefen und Gedanken einen genauen Blick in seine Seele. 
Herman van Veen wurde im letzten Kriegsjahr 1945 in eine Utrechter Arbeiterfamilie hineingeboren. Als Nachkriegskind hat er viel erlebt, seine Jugend widmete er der Musik und dem Geigenspiel. 
Auf dem Konservatorium entdeckte er die Musik, das Theater und den Tanz. Dies veränderte sein Leben, er wurde der bekannteste niederländische Musiker und ist über die Grenzen der Niederlande hinaus bekannt. 

In "Erinnerte Tage" richtet van Veen den Blick auf sein eigenes und das Leben allgemein. Er sieht die Ungerechtigkeit, das Elend der Welt und zeigt in seinen Texten die Unterschiede klar und deutlich auf.
Mal sind das heitere Erinnerungen an seine Jugend, mal besinnliche Erfahrungen, häufig frohe Gedanken, aber auch nachdenkliche Töne über den Lauf der Welt. 
Mit Liedtexten, Gedichten und Annekdoten aus seinem Leben und Zeitungsschlagzeilen und Briefen kommt man dem Menschen Herman durch dieses Buch näher. Er lässt uns tief in seine Gedanken eintauchen. Aber er zitiert auch fremde Gedichte und Texte
So wie man ihn von Bühnenauftritten her kennt, erzählt er auch hier. Er geht nicht chronologisch vor, schweift mal hierhin ab, erinnert sich beim Anblick seiner schlafenden Enkelin an andere Erlebnisse. Es ist insgesamt ein liebevoller Blick zurück auf sein Leben und Wirken, auf seinen ganzen Erfahrungsschatz der 72 Lebensjahre.

Für mich ist er vor allem der Vater von Alfred Jodocus Kwak. Dieses Lied zeigt, wie sehr er Kinder liebt, nicht nur seine eigenen, sondern alle Menschenkinder. Das blitzt auch in seinen Gedichten und Liedertexten immer wieder hervor.

Sein Leben ist geprägt von einigen Freundschaften, die er über seine Künstlerlaufbahn kennengelernt hat. Diesen privaten Freunden widmet er einige Kapitel seines Buches, leider kenne ich diese niederländischen Personen nicht, doch man bekommt einen guten Überblick über Herman, wie er lebt, denkt und handelt und wie sich seine Karriere entwickelte. Auch ein ganz besonderer Brief von Willi Brandt ist ein eindrucksvolles Zeichen seiner künstlerischen Wirkungskraft.

Besonders interessant finde ich seine gesammelten Zeitungsschlagzeilen, die erkennen lassen, wie er sich um die politische Situation auf der Welt Gedanken macht. Die Zukunft seiner Enkelkinder ist sicherlich ein Grund dafür, wie er interessiert am Zeitgeschehen teilnimmt und die Grausamkeiten der Welt aufzeigt.
Er zeigt mit dem Finger auf die Wunden der menschlichen Zerstörung. Er mahnt mit aussagekräftigen Schlagzeilen ohne selbst Worte darüber zu verlieren. 

Das Buch endet so, dass man das Gefühl hat, hier ist jemand mit sich im Reinen und blickt voller Dankbarkeit und zurück auf sein Leben.

Ein gelungener Blick hinter die Fassade des Künstlers und Menschen Herman van Veen.

***Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für dieses schöne Buch!***




Milchkaffee – Das Glück der Liebe - Susanna Ernst

Einfach wunderbar, traurig, schön und berührend! Ein Lesemuss!


Der Roman "Milchkaffee - Das Glück der Liebe" von Susanna Ernst ist ein eBook von feelings emotional und erschien im Dezember 2017. 


Die Geschichte führt nach Erfurt, in die Zeit der Nachkriegs-Wirren. Der neunjährige Erik beteiligt sich an Plünderungen und wird schwer verletzt. Doch er hat Glück im Unglück, denn der afroamerikanische Soldat Sam rettet ihm das Leben und kümmert sich rührend um ihn. Scheinbar hat der Junge keine Eltern, die nach ihm suchen. Als Erik die kleine Ballerina Sophie kennenlernt, hat der Junge wieder Lebensmut. Das könnte der Beginn einer lebenslangen Freundschaft werden. 


                                       Bildergebnis für Milchkaffee – Das Glück der Liebe: Roman


Von Susanna Ernst habe ich schon wunderbare Bücher gelesen und bei diesem konnte ich mir zuerst hinter dem Cover nichts genaues vorstellen. Die Inhaltsangabe verspricht eine Liebesgeschichte, die in der Nachkriegszeit angesiedelt ist und die Verknüpfung zwischen persönlichen Schicksalen und den Lebensbedingungen dieser besonderen Zeit ist der Autorin hervorragend gelungen. 

Die Protagonisten Erik und Sophie lernen sich als Kinder kennen, beide kommen sehr sympathisch daher, sie sind aufgeweckte Kinder und Sophie geht wunderbar natürlich mit der schweren Verletzung Eriks um. Dieser fasst dank Sophies fröhlicher Art wieder neuen Lebensmut und es entwickelt sich eine ganz enge Bande zwischen ihnen. Erik wird später ein selbstbewusster Mann, der trotz seiner Behinderung sehr lebensbejahend ist. 
Ihre Beziehung durchzieht das ganze Buch und diese Entwicklung ist wunderbar zu beobachten. 

Aber auch die Schrecken und Schwierigkeiten der Nachkriegszeiten werden eindringlich authentisch geschildert. Man bekommt einen deutlichen Eindruck von Hunger, Ausbombung und Wohnungsverlust und wie der Krieg Familien auseinandergerissen hatte. 
Der afroamerikanische Soldat Sam rettet Erik das Leben und kümmert sich rührend um ihn. Mit Sophie und ihrer Mutter eröffnet er eine neue familiäre Option für Erik, was sich als glückliche Fügung ergibt.
Die Rassenprobleme werden hier nur unterschwellig angedeutet, im Vordergrund steht die Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit und wie dankbar die deutsche Bevölkerung die amerikanische Hilfe annahmen.

Auch Sam und Erik wachsen zusammen und es entwickelt sich eine lebenslange enge Freundschaft.

Diese Geschichte könnte eindringlicher und nachhaltiger nicht geschrieben sein. Susanna Ernst gelingt es ohne klischeehaft zu werden, diese Emotionen und Probleme darzustellen. 

Als Rahmenhandlung wird hier durch einen älteren Herrn erzählt, der Leser ist im Grunde der Zuhörer seiner Geschichte und folgt gebannt den Entwicklungen, Sorgen und Ängsten der Figuren. Dabei gibt es viele erschütternde Erlebnisse zu ertragen, aber auch eine hoffnungsvolle Liebe und lebenslängliche Freundschaft und viel Dankbarkeit für erwiesene Hilfe. 
Dadurch gewinnt der Roman an Tiefe und man erfreut sich an den wunderbaren Charakteren.
 

Das Ende hält noch einmal eine besondere Überraschung bereit, auf die man so nicht vorbereitet war. Doch auch damit bewirkt Susanna Ernst in ihrer Geschichte einen speziellen Hoffnungsschimmer. 

 


Wer dieses Buch liest, wird gefangen sein in der Entwicklung einer großen Liebe und ihren verschlungenen Wegen, aber auch im schwierigen Umfeld der Nachkriegszeit. Einfach eine wunderbare, traurige, schöne und berührende Lektüre! 


 ***Herzlichen Dank an den Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

Montag, 15. Januar 2018

Frau gönnt sich ja sonst nichts - Marie Matisek

Persönliche Einblicke, verletzte Gefühle und trotzdem eine Mut machende und bereichernde Lektüre auch für nicht Getrennte


In "Frau gönnt sich ja sonst nichts" lässt und Autorin Marie Matisek teilhaben an ihrer eigenen privaten Trennungsgeschichte. Das Buch erscheint 2018 im Knaur Verlag und trägt den vielsagenden Untertitel "Wie sich die Trennung von meinem Mann unverhofft als Glücksfall erwies".

Marie Matisek beschreibt in ihrem Memoir, wie aus der verlassenen, gestressten Ehefrau und Mutter eine attraktive, lebenslustige 50-Jährige wird, die einen Neuanfang wagt. 


"Die 20 Jahre unseres Familienlebens sind ein Juwel, und ich möchte es jederzeit aus der Vitrine meines Herzens holen können, den Staub herunterpusten und bewundern, wie es funkelt und glänzt... Glaube an Trennung als Chance." Zitat Seite 59


Von Marie Matisek habe ich Sonnensegeln und Mirabellensommer gelesen und beide Bücher haben mir sehr gut gefallen. Auf ihr neues Werk war ich deshalb sehr gespannt, zumal sie darin persönliche Erfahrungen ihrer eigenen Trennung verarbeitet.

Ohne große Umschweife geht es sofort mit der Trennungsgeschichte los. Marie wird von ihrem Mann nach 20 Jahren Ehe für eine jüngere Frau verlassen. Zunächst fällt sie in eine Schockstarre voller  Trauer, Selbstmitleid und Zukunftsängsten. Doch sie merkt schnell, dass sie damit nicht weiter kommt. Sie kennt die Gründe für die Trennung, auch sie selbst ist dafür mit verantwortlich und nun möchte sie ihrem Leben durch die Trennung neue Impulse geben, neue Chancen wahrnehmen und für sich selbst neue Ziele entwickeln. Lange Zeit hat sie neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit dem Familienleben ihr Hauptaugenmerk gewidmet.
Doch das Familienleben ist nicht immer einfach, es funktioniert nur, wenn man zufrieden ist und nicht alle Rollen gleichzeitig spielen muss. 

Mir ist die Situation der Autorin beim Lesen sehr nahe gegangen, auch die vielen Beispiele anderer Paare erscheinen mir sehr authentisch geschildert. Wie reagiert man als Frau auf eine Trennung, welche Fragen stellen sich dann für die Familie, die Kinder und das gemeinsame Hab und Gut? Wie kann man über den Dingen stehen, wenn man doch am Boden zerstört ist? 

Marie Matisek hat aus ihrer Trennung das Beste gemacht, sie hat die Chance auf ein neues selbst bestimmtes Leben ergriffen und ihr bisheriges Leben als schöne Erfahrung mit in den nächsten Lebensabschnitt genommen. Kein Aufrechnen von Schuld, sondern den Blick frei machen für neue Möglichkeiten. Die Lage als Glücksfall annehmen! Das kann nicht jeder, bei vielen Paaren zehren Rosenkrieg und Rache an den Nerven der Beteiligten und die Kinder leiden und sogar die Haustiere. 

Wenn man der Autorin jedoch durch ihr Buch folgt, bekommt man durch den leisen Humor und die positiven Rückblicke in die glückliche Zeit der Ehe ein Gefühl von Mut und Hoffnung. Und es ist auch für Menschen in einer glücklichen Partnerschaft eine echte Bereicherung, mal über das Glück im Leben nachzudenken und gutzuheißen, was man gerade eigentlich genießen sollte. 

Bei der Lektüre gibt es einige humorvolle Szenen, bei denen ich schmunzeln musste. Mal geht Marie zu einer Singleparty oder aufs Oktoberfest, dann bucht sie sich zum bevorstehenden 50. Geburtstag eine Entspannungsreise nach Bali, bei der sie vorab die Wirkung der Wechseljahre durchmacht. Wie sich die von der Familie produzierten Wäscheberge anfühlen, wenn man gut gelaunt aus dem Urlaub kommt, kann ich gut nachvollziehen. Auch die Treffen mit ihren Freunden lassen Einblicke zu, die man so oder ähnlich schon gehört hat.
 
Aber Marie befreit sich von der "Last" der Einrichtungsstörenfriede, sie entrümpelt Haus und Keller und das macht ihre Last nicht nur äußerlich weniger. Auch innerlich befreit sich sich von Ballast, aber sie behält die positiven Erinnerungen an die schöne Zeit dieser Ehe. Und das macht Mut und zeigt deutlich wie man auch mit solchen Situationen umgehen kann ohne Rachegelüste auszuleben. 

Ich finde es mutig von Marie Matisek, hier ihre sehr persönliche Geschichte schonungslos der Öffentlichkeit vorzulegen. Doch dadurch bekommt man als Leser viele Ratschläge und Denkanstösse geliefert, die auch in funktionierenden Ehen durchaus mal überdacht werden sollten. 

Nicht immer bedenkt man, wie es anderen Alleinerziehenden gehen könnte oder ist sich dessen bewusst, wie gut man es gerade hat. 
Daher ist so ein Buch auch mal ein wichtiger Denkanstoss.
 
***Herzlichen Dank für dieses Rezensionsexemplar vom Knaur Verlag!***